
Die Facharztrichtung Medizinische Genetik in Österreich verbindet moderne Medizin mit genetischer Diagnostik, Beratung und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Nach dem abgeschlossenen Medizinstudium und der Basisausbildung führt eine mehrjährige Sonderfachausbildung in ein hoch spezialisiertes und zukunftsorientiertes Tätigkeitsfeld. Fachärzte befassen sich mit erblichen Erkrankungen, genetischen Risiken und familiären Fragestellungen und unterstützen Patienten sowie andere Fachrichtungen bei medizinischen Entscheidungen. Dabei spielen analytisches Denken, kommunikative Kompetenz und ethisches Verantwortungsbewusstsein eine zentrale Rolle. Einsatzmöglichkeiten bestehen vor allem im Spital, in spezialisierten Instituten, in Forschung und Lehre sowie im niedergelassenen Bereich. Durch den wachsenden Stellenwert der personalisierten Medizin gewinnt die Medizinische Genetik zunehmend an Bedeutung und bietet langfristig stabile Karriere- und Entwicklungsperspektiven.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil: Analyse, Beratung und Prävention genetisch bedingter Erkrankungen und Risiken, Verbindung von klinischer Medizin mit molekularbiologischer Diagnostik
- Tätigkeiten: Diagnostik genetischer Erkrankungen, Risikobewertung, Patientenberatung; Schwerpunkt z. B. Tumorprädispositionssyndrome oder Reproduktionsmedizin; interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Fachrichtungen wie Pädiatrie oder Onkologie
- Weiterbildung (Österreich): 6 Jahre Facharztausbildung (Basisausbildung: 9 Monate; Grundausbildung: 36 Monate; Schwerpunktausbildung: 27 Monate); Spezialisierungen u. a. in Tumorgenetik, Neurogenetik, Kardiogenetik oder Perinatalgenetik
- Für wen geeignet: Ärzte mit analytischem Denken, Interesse an Wissenschaft und präziser Arbeit; ideal für Ärzte mit Kommunikationsstärke und ethischem Bewusstsein
- Gehalt: durchschnittlich 3.440 EUR brutto monatlich, abhängig von Arbeitsort, Erfahrung und Qualifikation; Karrierechancen durch Forschungstätigkeit, Spezialisierung und Leitungsfunktionen
- Arbeitsorte: Universitätskliniken, spezialisierte Zentren, genetische Ambulanzen und Forschungseinrichtungen; Perspektiven im niedergelassenen Bereich oder in der universitären Lehre
Was ist Medizinische Genetik?
Die Medizinische Genetik ist eine ärztliche Fachrichtung, die sich mit genetisch bedingten Erkrankungen, Krankheitsdispositionen und erblichen Risiken befasst. Sie verbindet klinische Medizin mit moderner molekularbiologischer und zytogenetischer Diagnostik. Ziel ist es, genetische Ursachen von Krankheiten zu erkennen, korrekt einzuordnen und medizinisch zu bewerten. Dabei spielt die genetische Beratung eine zentrale Rolle, etwa bei angeborenen Erkrankungen, familiären Tumorerkrankungen oder einem unerfüllten Kinderwunsch.
In Österreich ist die medizinische Genetik als eigenständiges Sonderfach etabliert und stark interdisziplinär ausgerichtet. Fachärzte arbeiten eng mit anderen medizinischen Disziplinen zusammen, darunter Pädiatrie, Onkologie, Gynäkologie und Neurologie. Gleichzeitig gewinnt das Fach durch personalisierte Medizin und neue genetische Testverfahren zunehmend an Bedeutung. Die Medizinische Genetik trägt somit wesentlich zu Prävention, Früherkennung und individueller Therapieplanung bei und gilt als zukunftsorientiertes Fachgebiet der modernen Medizin.
Was macht ein Facharzt für Medizinische Genetik? – Tätigkeiten und Zuständigkeitsgebiet
Ein Facharzt für Medizinische Genetik beschäftigt sich mit der Abklärung, Einordnung und Bewertung genetisch bedingter Erkrankungen und Krankheitsrisiken. Zentrale Aufgaben liegen in der klinisch-genetischen Diagnostik sowie in der umfassenden genetischen Beratung von Patienten und Familien. Dabei analysiert der Facharzt familiäre Krankheitsverläufe, bewertet genetische Risiken und unterstützt medizinische Entscheidungsprozesse.
Das Zuständigkeitsgebiet umfasst angeborene Fehlbildungen, erbliche Stoffwechselerkrankungen, Tumorprädispositionssyndrome sowie genetische Fragestellungen in der Reproduktionsmedizin. Die Medizinische Genetik verbindet somit klinische Medizin, Prävention und individuelle Risikoabschätzung und nimmt eine beratende Schlüsselrolle im Gesundheitssystem ein.
Klassische Untersuchungs- und Therapieverfahren
Untersuchungsverfahren in der Medizinischen Genetik
- Klinisch-genetische Diagnostik bei erblich bedingten Erkrankungen und Fehlbildungssyndromen
- Erhebung und Analyse von Familienanamnesen über mehrere Generationen
- Zytogenetische Diagnostik, einschließlich Chromosomenanalysen pränatal und postnatal
- Molekulargenetische Diagnostik zur Identifikation monogener und multifaktorieller Erkrankungen
- Analyse numerischer und struktureller Chromosomenaberrationen
- Protein- und biochemische Diagnostik bei genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen
- Durchführung prädiktiver genetischer Untersuchungen bei familiären Krankheitsrisiken
- Risikoberechnungen auf Basis genetischer Daten und Stammbaumanalysen
- Prä- und postnatale genetische Abklärung bei auffälligen Befunden
- Anwendung genetischer Statistik und Populationsgenetik zur Risikoabschätzung
Typische Behandlungsverfahren
- Durchführung und Dokumentation genetischer Beratungen
- Aufklärung über genetische Risiken, Krankheitsverläufe und Prognosen
- Beratung bei Tumorprädispositionssyndromen und erblichen Krebserkrankungen
- Begleitung bei reproduktionsgenetischen Fragestellungen
- Mitwirkung bei prä- und perinatalen Entscheidungsprozessen
- Interdisziplinäre Abstimmung therapeutischer Maßnahmen
- Beratung zu Prävention, Vorsorge und Früherkennung genetischer Erkrankungen
- Medizinische Unterstützung bei individuellen Therapieentscheidungen
- Qualitätssicherung und fachspezifische Dokumentation
- Mitarbeit in Forschung, Lehre und Weiterentwicklung genetischer Diagnostik
Wie wird man Facharzt für Medizinische Genetik?
Um Facharzt für Medizinische Genetik in Österreich zu werden, ist zunächst ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin erforderlich. Nach der Promotion zum Arzt folgt die Basisausbildung, die neun Monate dauert und grundlegende klinische Kompetenzen vermittelt sowie den Einstieg in den ärztlichen Berufsalltag ermöglicht.
Anschließend beginnt die Facharztausbildung im Sonderfach Medizinische Genetik gemäß Ärzte-Ausbildungsordnung. Diese Ausbildung gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Abschnitte. Zunächst erfolgt die Sonderfach-Grundausbildung mit einer Dauer von 36 Monaten. In dieser Phase erwerben angehende Fachärzte vertiefte Kenntnisse in medizinischer Biologie, Humangenetik und klinischer Genetik und befassen sich intensiv mit genetischer Diagnostik und genetischer Beratung.
Darauf aufbauend schließt sich die Sonderfach-Schwerpunktausbildung an, die 27 Monate umfasst. Dabei erfolgt eine inhaltliche Vertiefung, unter anderem in Tumorgenetik, Neurogenetik, Kardiogenetik oder Prä- und Perinatalgenetik. Insgesamt beträgt die Ausbildungsdauer nach dem Studium 72 Monate und verbindet Theorie, Praxis und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Mehr zur Weiterbildung zum Facharzt für Medizinische Genetik hier:
Alles Wichtige zu Facharztrichtungen und Facharztausbildungen in Österreich:
- Facharztausbildung – Übersicht alle Fachrichtungen
- Facharztrichtungen – Übersicht
- Internistische Sonderfächer – Überblick
- Chirurgische Sonderfächer – Überblick
Für wen ist die Fachrichtung interessant?
Die Fachrichtung Medizinische Genetik ist besonders für Ärzte interessant, die ein ausgeprägtes Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und komplexen Krankheitsursachen mitbringen. Sie richtet sich an Personen, die analytisch denken und zugleich verantwortungsvoll beraten möchten, da medizinische Entscheidungen oft langfristige Auswirkungen haben. Gleichzeitig erfordert das Fach ein hohes Maß an Sorgfalt, Kommunikationsstärke und ethischem Bewusstsein, weil genetische Informationen sensibel sind.
Beruflich eignet sich die Fachrichtung für Ärzte, die interdisziplinär arbeiten möchten und Freude an der Schnittstelle zwischen Klinik, Labor und Beratung haben. Formale Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium sowie die Bereitschaft zu einer mehrjährigen, spezialisierten Facharztausbildung. Zudem profitieren Bewerber von Interesse an Forschung, lebenslangem Lernen und medizinischem Fortschritt.
Was verdient man als Facharzt für Medizinische Genetik?
Viele Krankenhäuser vergüten das Gehalt eines Facharztes für Medizinische Genetik mit 7.009,40 Euro (Grundlage FA/06). Dieses Einkommen stellt einen Orientierungswert dar und kann je nach Rahmenbedingungen deutlich variieren. Einen wesentlichen Einfluss hat der Arbeitsort, da Anstellungen in Universitätskliniken, spezialisierten Zentren oder im niedergelassenen Bereich unterschiedlich vergüten.
Zudem wirken sich Berufserfahrung, zusätzliche Qualifikationen und eine Spezialisierung, etwa in der Tumor- oder Reproduktionsgenetik, positiv auf das Gehalt aus. Auch Leitungsfunktionen, wissenschaftliche Tätigkeit oder Mitarbeit in Forschungsprojekten können das Einkommen steigern. Darüber hinaus spielen Arbeitszeitmodelle, Bereitschaftsdienste sowie regionale Unterschiede im Gesundheitssystem eine Rolle. Langfristig bietet die Medizinische Genetik durch wachsende Bedeutung personalisierter Medizin gute Möglichkeiten zur Gehaltsentwicklung. Mehr zum Arzt-Lohn:
Wo kann man als Facharzt für Medizinische Genetik arbeiten?
Fachärzte für Medizinische Genetik finden vielfältige Einsatzmöglichkeiten im österreichischen Gesundheitssystem. Ein zentrales Arbeitsfeld ist das Spital, insbesondere Universitätskliniken und spezialisierte Zentren mit humangenetischem Schwerpunkt. Dort erfolgt die diagnostische und beratende Tätigkeit häufig in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Darüber hinaus arbeiten Fachärzte in genetischen Ambulanzen, Instituten für Medizinische Genetik sowie in Forschungseinrichtungen. Auch Tätigkeiten in der universitären Lehre sind möglich. Zusätzlich bietet der niedergelassene Bereich Perspektiven, vor allem mit Fokus auf genetische Beratung. Damit verbindet das Fach klinische Arbeit, Wissenschaft und spezialisierte Patientenversorgung.
Passende Jobs für Fachärzte für Medizinische Genetik
Passende Stellenangebote in allen Facharztrichtungen gibt es in unserem Stellenportal. Dort findest Du zahlreiche Assistenzarzt Jobs und Facharzt Stellenangebote in Österreich.
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Häufige Fragen zur medizinischen Genetik
- Was macht ein medizinischer Genetiker?
- Wie lange dauert die Ausbildung zum Facharzt für Medizinische Genetik?
- Welche Rolle spielt die Medizinische Genetik im medizinischen Fortschritt?
- Wie viel verdient ein Genetik-Arzt?
Ein Facharzt für medizinische Genetik klärt genetische Ursachen von Erkrankungen ab und ordnet erbliche Risiken medizinisch ein. Zudem berät er Patienten und Familien bei genetischen Fragestellungen und unterstützt andere Fachrichtungen bei Diagnostik und Therapieentscheidungen.
Nach dem Studium dauert die Ausbildung insgesamt 72 Monate inklusive Basisausbildung und Sonderfach.
Die medizinische Genetik trägt wesentlich zur personalisierten Medizin bei, da genetische Erkenntnisse individuelle Krankheitsverläufe, Präventionsstrategien und Therapieansätze ermöglichen und stetig weiterentwickeln.
Der durchschnittliche Brutto-Lohn von Fachärzten im Bereich Medizinische Genetik liegt bei etwa 3.440 Euro pro Monat. Faktoren wie Berufserfahrung, Arbeitsort, Spezialisierung und zusätzliche Aufgaben können das Einkommen deutlich beeinflussen und langfristig steigern.
Assistenzarzt & Berufsstart
- Österreichische Ärztekammer, Sonderfach Medizinische Genetik, https://www.arztakademie.at/... (letzter Zugriff am 07.01.206)
- Österreichische Ärztekammer, Ausbildung Fachärzte – Anlage 18: Sonderfach Medizinische Genetik, https://www.ris.bka.gv.at/... (letzter Zugriff am 07.01.2026)













