
Sprechen und Schlucken sind grundlegende Fähigkeiten, die unseren Alltag, unsere soziale Teilhabe und unsere berufliche Leistungsfähigkeit maßgeblich beeinflussen. Kommt es in diesen Bereichen zu Störungen, sind die Auswirkungen für Betroffene oft erheblich. Genau hier setzt die Phoniatrie an – ein spezialisiertes medizinisches Fachgebiet an der Schnittstelle von Medizin, Kommunikation und Technik. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über das Berufsbild, die Ausbildung sowie die Karriere- und Zukunftsperspektiven von Fachärzten mit Spezialisierung in Phoniatrie in Österreich und zeigt, warum dieses Fach zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachrichtung: Phoniatrie beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Diagnostik und Behandlung von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen sowie mit Hörstörungen, insbesondere im Kindesalter. Der Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und der Stimme über alle Altersgruppen hinweg.
- Relevanz: Kommunikation ist eine zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe und Lebensqualität. Durch steigende Anforderungen an die Stimme im Berufsleben, eine zunehmende Zahl neurologischer Erkrankungen sowie einen wachsenden Bedarf an frühzeitiger Förderung bei Kindern gewinnt die Phoniatrie zunehmend an Bedeutung.
- Dauer der Weiterbildung: 24 Monate
- Voraussetzungen: abgeschlossenes Medizinstudium und Weiterbildung zum Facharzt in Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde
Das Berufsbild: Was macht ein Phoniater genau?
Ein Facharzt mit Spezialisierung in Phoniatrie (Phoniater) beschäftigt sich mit der Diagnostik und Behandlung von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen sowie mit kindlichen Hörstörungen. Er betreut sowohl Menschen in kommunikationsintensiven Berufen, die häufig unter Stimmproblemen wie Heiserkeit leiden, als auch Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen oder -störungen.
Dabei behandelt er Störungen der Stimme, die u. a. durch folgende Ursachen entstehen:
- falscher Stimmgebrauch
- fehlerhafte Sprechtechnik
- stimmliche Überforderung
- akute oder chronische Entzündungen
- Lähmungen, Tumore oder Funktionsstörungen nach Operationen
- Sprach- und Sprechstörungen bei neurologischen Erkrankungen
- Näseln
- Störungen der Schluckfunktion
- Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Zur genauen Abklärung nutzt er spezielle Untersuchungsmethoden wie die Video-Endo-Stroboskopie und videoendoskopisch kontrollierte Schluckuntersuchungen. Für die Therapie setzt der Facharzt sowohl konservative Maßnahmen wie Medikamente und logopädische Therapie als auch operative Eingriffe am Kehlkopf ein, die vor allem der Verbesserung und dem Erhalt der Stimme dienen (Phonochirurgie).
Die Phoniatrie ist dabei eng mit der Logopädie verbunden, die sich ebenfalls mit Beratung, Diagnostik, Behandlung, Prävention und Forschung rund um Sprache, Sprechen, Stimme, Atmung, Hören und Schlucken befasst.
Die Spezialisierung in Phoniatrie – Weiterbildung im Überblick
Die Facharzt-Spezialisierung in Phoniatrie in Österreich ist eine Spezialisierung im Bereich der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Sie dauert insgesamt 24 Monate und baut auf einer bereits abgeschlossenen HNO-Facharztausbildung auf.
Während dieser Zeit erwerben die Fachärzte umfassende Kenntnisse, Erfahrungen und praktische Fähigkeiten, die für das phoniatrische Arbeiten notwendig sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Diagnostik und Behandlung von Stimmstörungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Schluckstörungen. Zusätzlich umfasst die Ausbildung den wichtigen Bereich der Pädaudiologie, also die Abklärung und Betreuung von Hörstörungen bei Kindern. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist der Umgang mit Lippen-, Kiefer-, Gaumen- und Gaumensegelfehlbildungen, die häufig mit Sprach- und Schluckproblemen verbunden sind.
Weitere Informationen zu den Inhalten der Schwerpunkt-Ausbildung hier:
Verordnung über Spezialisierungen (SpezV) der Österreichischen Ärztekammer
Mehr zu Facharztausbildungen und Facharztrichtungen:
Für wen ist die Spezialisierung in Phoniatrie geeignet?
Die Spezialisierung in Phoniatrie eignet sich besonders für Ärzte, die gerne patientennah arbeiten und ein großes Interesse an Kommunikation, Sprache und Stimme haben. Wichtig sind dabei ausgeprägte Empathie und Geduld, da viele Patienten über einen längeren Zeitraum betreut werden und häufig unter erheblichen Einschränkungen im Alltag leiden. Analytisches Denken hilft, komplexe Stimm-, Sprach- oder Schluckstörungen genau zu erfassen und passende Therapien zu planen. Gleichzeitig sind Stressresistenz und eine ruhige Arbeitsweise von Vorteil, vor allem bei der Arbeit mit Kindern oder bei anspruchsvollen diagnostischen Untersuchungen.
Darüber hinaus profitieren Ärzte mit manueller Geschicklichkeit, da sowohl endoskopische Untersuchungen als auch mikrochirurgische Eingriffe am Kehlkopf Teil des Fachgebiets sind. Die Spezialisierung ist besonders passend für Personen, die technikaffin sind und Freude am Einsatz moderner Untersuchungsmethoden haben. Auch forschungsinteressierte Ärzte finden in der Phoniatrie ein spannendes Feld, da Sprache, Stimme und Hören eng mit Medizin, Linguistik und Neurowissenschaften verbunden sind. Insgesamt richtet sich das Fach an Ärzte, die Medizin, Kommunikation und interdisziplinäres Arbeiten sinnvoll verbinden möchten.
Phoniater – Karriere und Gehalt in Österreich
Die Spezialisierung in Phoniatrie eröffnet in Österreich vielfältige Karrierewege. Fachärzte können in Krankenhäusern, Universitätskliniken, Ambulanzen oder Rehabilitationszentren arbeiten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich niederzulassen oder in interdisziplinären Teams mit Logopädie, Pädiatrie, Neurologie oder Onkologie tätig zu sein. Auch eine Karriere in Lehre und Forschung ist möglich, insbesondere an Universitätskliniken. Mit zunehmender Erfahrung können zudem leitende Funktionen, etwa als Oberarzt oder Abteilungsleiter, übernommen werden.
Bei den Gehaltsperspektiven gibt es in den österreichischen Kollektivverträgen keine eigenen Gehaltskategorien für Spezialisierungen. Fachärzte mit phoniatrischer Spezialisierung werden daher grundsätzlich wie Fachärzte ihres Ausgangsfaches, also der HNO-Heilkunde, entlohnt. Das Bruttomonatsgehalt liegt je nach Berufserfahrung und Bundesland meist zwischen etwa 4.100 Euro und 5.700 Euro. Ein höheres Einkommen ergibt sich jedoch häufig durch Funktions- und Leitungszulagen, individuelle Gehaltsvereinbarungen sowie durch zusätzliche Dienste wie Nacht- und Wochenenddienste oder Rufbereitschaften. Besonders in leitenden Positionen oder bei spezieller Verantwortung kann sich die Spezialisierung daher auch finanziell deutlich auszahlen, auch wenn sie nicht direkt im Kollektivvertrag abgebildet ist. Mehr zum Arzt-Lohn hier:
- Oberarzt Österreich – Lohn und Gehalt im Überblick
- Chefarzt Gehalt Österreich – Was verdient ein Primararzt?
Passende Jobs für Phoniater
Häufige Fragen zur Spezialisierung Phoniatrie
- Was macht ein Phoniater?
- Wie wird man Facharzt für Phoniatrie?
- Wie lange dauert die Spezialisierung zum Phoniater?
Phoniater diagnostizieren und behandeln Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen, führen spezielle Untersuchungen durch und bieten sowohl konservative als auch operative Therapien an.
Um Facharzt für Phoniatrie zu werden, braucht man eine Facharztausbildung in Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Diese ist Voraussetzung für die Spezialisierung in Phoniatrie.
Die Spezialisierungs-Weiterbildung zum Phoniater dauert in der Regel 24 Monate.












