
Die Facharztrichtung Histologie, Embryologie und Zellbiologie vereint Forschung, Diagnostik und medizinische Anwendung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Sie befasst sich mit der Struktur, Funktion und Entwicklung menschlicher Zellen, Gewebe und Organe und bildet damit eine wichtige Grundlage für das Verständnis vieler Krankheiten. Wer naturwissenschaftlich interessiert, analytisch begabt ist und präzise arbeitet, findet hier eine anspruchsvolle Spezialisierung mit guten Karrierechancen und attraktiven Verdienstmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil: Untersuchung von Zellen, Geweben und Organen auf Mikro- und Molekülebene; Brücke zwischen Grundlagenforschung, Diagnostik und klinischer Anwendung (u. a. pränatale Entwicklung, angeborene Anomalien, regenerative Medizin)
- Weiterbildung in Österreich (ÄAO 2015): 72 Monate insgesamt aufgeteilt in: 9 Monate Basisausbildung, 36 Monate Sonderfach-Grundausbildung, 27 Monate Schwerpunkt (klinische Embryologie, Teratologie, Ultrastrukturdiagnostik, angewandte Histologie)
- Tätigkeiten: Probengewinnung und -aufbereitung, Histologie/Zytologie (Standard-/Spezialfärbungen), Licht-/Elektronenmikroskopie, molekularbiologische/biochemische Methoden, Zell- und Organkultur (inkl. Stammzellen), genetische/entwicklungsbiologische Analysen, Qualitätssicherung/Dokumentation
- Gehalt: Einstieg meist ~60.000 € brutto/Jahr; im öffentlichen Spital ca. 4.200–6.000 € brutto/Monat zzgl. Zulagen; in Leitungen/privaten Forschungseinrichtungen bis ~120.000 € möglich
- Arbeitsorte: Universitätskliniken, diagnostische/medizinische Labore, Forschungseinrichtungen, Reproduktionsmedizin (IVF/ICSI), Pharma/biomedizinische Industrie sowie Lehre
Was ist Histologie, Embryologie und Zellbiologie?
Die Facharztrichtung Histologie, Embryologie und Zellbiologie befasst sich mit den grundlegenden Strukturen und Funktionen menschlicher Zellen, Gewebe und Organe. Ziel ist es, die mikroskopischen und molekularbiologischen Prozesse zu verstehen, die dem Aufbau und der Entwicklung des menschlichen Körpers zugrunde liegen. Ärzte dieser Fachrichtung erforschen Zellchemie, Zellphysiologie und molekulare Mechanismen, um krankhafte Veränderungen zu erkennen und zu deuten. Sie beschäftigen sich mit der vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen, der Entstehung angeborener Anomalien und der biologischen Grundlage regenerativer Medizin. Dafür vermittelt die Facharztausbildung fundierte Kenntnisse in Mikroskopie, Zellkultur, Genetik und klinischer Embryologie.
Neben der Forschung spielt die Diagnostik eine zentrale Rolle, etwa in der Analyse von Gewebeproben oder in der Beratung bei genetisch bedingten Erkrankungen. Diese Fachrichtung bildet somit eine Brücke zwischen Grundlagenforschung, klinischer Anwendung und moderner Biomedizin.
Was macht ein Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie? – Tätigkeiten und Zuständigkeitsgebiet
Ein Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie beschäftigt sich mit der Untersuchung und Bewertung der mikroskopischen Strukturen des menschlichen Körpers. Sein Tätigkeitsfeld umfasst die Erforschung von Zellen, Geweben und Organen sowie deren Entwicklung von der Befruchtung bis zur Geburt. Im Mittelpunkt steht das Verständnis biologischer Prozesse, die das Wachstum, die Differenzierung und die Regeneration von Geweben steuern.
Zu den zentralen Aufgaben zählt die Analyse, wie Krankheiten auf zellulärer Ebene entstehen und welche genetischen oder entwicklungsbedingten Ursachen ihnen zugrunde liegen. Fachärzte dieses Bereichs sind häufig in der medizinischen Forschung, Lehre oder in diagnostischen Laboratorien tätig. Sie arbeiten eng mit anderen Fachrichtungen wie Pathologie, Genetik und Reproduktionsmedizin zusammen, um Krankheitsmechanismen zu verstehen und medizinische Therapien zu unterstützen. Ihr Wissen trägt entscheidend dazu bei, biologische Grundlagen in die klinische Praxis zu übertragen.
Klassische Untersuchungs- und Therapieverfahren
Untersuchungsverfahren in der Histologie, Embryologie und Zellbiologie
- Gewinnung und Aufbereitung von Gewebe-, Zell- und Organproben
- Histologische und zytologische Präparationstechniken
- Standard- und Spezialfärbungen (z. B. histochemische und immunhistochemische Verfahren)
- Licht- und Elektronenmikroskopie zur Strukturanalyse von Zellen und Geweben
- Anwendung biochemischer und molekularbiologischer Methoden zur Zellanalyse
- Nutzung bildgebender Verfahren zur Darstellung mikroskopischer Strukturen
- Durchführung genetischer und entwicklungsbiologischer Untersuchungen
- Zell-, Gewebe- und Organkultur einschließlich Kultivierung von Stammzellen
- Einsatz multimodaler Mikroskopien und 3D-Analyseverfahren
- Anwendung korrelativer Mikroskopie zur Verknüpfung von Struktur- und Funktionsdaten
- Analyse von Zell- und Matrixveränderungen bei pathologischen Prozessen
- Untersuchung embryonaler Entwicklungsstufen und angeborener Anomalien
- Bewertung teratologischer Befunde und genetischer Risiken in der pränatalen Diagnostik
- Erstellung und Interpretation histologischer Befunde in interdisziplinärer Zusammenarbeit
Typische Behandlungsverfahren
- Teratologische Beratung bei angeborenen Fehlbildungen
- Mitwirkung in der Reproduktionsmedizin (z. B. IVF, ICSI, Embryonenkultur)
- Durchführung und Bewertung klinisch-embryologischer Diagnostik
- Beratung zu genetischen und entwicklungsbedingten Erkrankungen
- Mitarbeit in der regenerativen Medizin und im Tissue Engineering
- Betreuung und Organisation von Zell- und Gewebebanken
- Qualitätsmanagement und Dokumentation histologischer Befunde
- Schulung, Lehre und wissenschaftliche Forschung im Bereich Zell- und Entwicklungsbiologie
Wie wird man Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie?
Um Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie zu werden, schließt man zunächst das Medizinstudium ab und absolviert anschließend die Basisausbildung von 9 Monaten. Danach folgt die Sonderfach-Grundausbildung, die 36 Monate dauert und grundlegende Kenntnisse in Zellbiologie, Histologie, Embryologie und Mikroskopie vermittelt. Im Anschluss absolviert man die Sonderfach-Schwerpunktausbildung von 27 Monaten, in der man sich intensiv mit Bereichen wie klinischer Embryologie, Teratologie, Ultrastrukturdiagnostik und angewandter Histologie beschäftigt. Insgesamt umfasst die Facharztausbildung somit 72 Monate, in denen theoretische und praktische Inhalte eng miteinander verbunden sind und auf die Facharztprüfung vorbereiten. Mehr zur Weiterbildung zum Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie hier:
Alles Wichtige zu Facharztrichtungen und Facharztausbildungen in Österreich:
Für wen ist die Fachrichtung interessant?
Die Fachrichtung Histologie, Embryologie und Zellbiologie ist besonders geeignet für Menschen, die sowohl naturwissenschaftlich interessiert als auch detailorientiert und geduldig sind. Sie richtet sich an alle, die gerne analytisch denken, komplexe Zusammenhänge erkennen und biologische Prozesse bis ins kleinste Molekül verstehen möchten. Wer Freude an Forschung, Präzision und strukturierter Arbeit hat, findet hier ein spannendes Betätigungsfeld.
Darüber hinaus sollte man sorgfältig, verantwortungsbewusst und konzentriert arbeiten können, da kleinste Beobachtungen große diagnostische Bedeutung haben. Ebenso wichtig sind Kommunikationsfähigkeit, Teamgeist und wissenschaftliche Neugier, weil man kontinuierlich mit Fachkollegen zusammenarbeitet, Forschungsergebnisse interpretiert und medizinische Entwicklungen aktiv mitgestaltet.
Was verdient man als Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie?
Das Gehalt eines Facharztes für Histologie, Embryologie und Zellbiologie hängt stark von der jeweiligen Einrichtung, der Berufserfahrung sowie dem Verantwortungsbereich ab. In den ersten Berufsjahren verdient man durchschnittlich rund 60.000 Euro brutto im Jahr, wobei das Einkommen mit wachsender Erfahrung und zunehmender Spezialisierung deutlich steigt. In leitenden Positionen oder in privaten Forschungseinrichtungen kann das Jahresgehalt sogar bis zu 120.000 Euro erreichen. Im öffentlichen Spitalswesen liegt das monatliche Grundgehalt meist zwischen 4.200 und 6.000 Euro brutto, wobei Zulagen, Nachtdienste und Sonderleistungen zusätzlich hinzukommen. Dadurch ergeben sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten sowohl finanziell als auch fachlich. Mehr zum Arzt-Lohn:
Wo kann man als Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie arbeiten?
Als Facharzt für Histologie, Embryologie und Zellbiologie kann man in verschiedenen Bereichen tätig sein, die sowohl wissenschaftlich als auch klinisch ausgerichtet sind. Viele arbeiten in Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen oder medizinischen Laboratorien, wo sie mikroskopische Analysen durchführen, Zellstrukturen untersuchen und an neuen diagnostischen Verfahren mitwirken. Darüber hinaus bestehen Beschäftigungsmöglichkeiten in der Reproduktionsmedizin, insbesondere in IVF-Zentren, wo man an der Beurteilung von Keimzellen und Embryonen beteiligt ist. Auch in der pharmazeutischen Industrie oder in biomedizinischen Forschungsinstituten sind Fachärzte dieser Richtung gefragt, da ihr Wissen über Zellprozesse und Entwicklungsbiologie entscheidend für die Medikamenten- und Therapieentwicklung ist. Ebenso können sie in der Lehre tätig werden und angehende Mediziner ausbilden.
Passende Jobs für Fachärzte für Histologie, Embryologie und Zellbiologie
Passende Stellenangebote in allen Facharztrichtungen gibt es in unserem Stellenportal. Dort findest Du zahlreiche Assistenzarzt Jobs und Facharzt Stellenangebote in Österreich.
Direkt zu den Jobs in Histologie, Embryologie und Zellbiologie
Häufige Fragen zur Facharztrichtung Histologie, Embryologie und Zellbiologie
- Was ist der Unterschied zwischen Embryologie und Histologie?
- Wie lange dauert die Ausbildung zum Histologen?
- Welche Voraussetzungen brauche ich für den Einstieg in die Facharztweiterbildung Histologie, Embryologie und Zellbiologie?
- Worin unterscheidet sich die Fachrichtung Histologie, Embryologie und Zellbiologie von Pathologie oder Anatomie?
Im Gegensatz zur Embryologie, die die Entwicklung des menschlichen Lebens von der Befruchtung bis zur Geburt erforscht, untersucht die Histologie die Struktur und Funktion von Geweben.
Die Ausbildung zum Histologen dauert nach dem Medizinstudium nochmal insgesamt 72 Monate und gliedert sich in Basisausbildung, Sonderfach-Grundausbildung und Sonderfach-Schwerpunktausbildung.
Die Facharztweiterbildung Histologie, Embryologie und Zellbiologie kann nur beginnen, wer ein abgeschlossenes Medizinstudium vorweisen kann. Zusätzlich sinnvoll sind ein starkes naturwissenschaftliches Interesse, präzises Arbeiten, Mikroskopie‑Erfahrung und Freude an interdisziplinärer Zusammenarbeit (Pathologie, Genetik, Reproduktionsmedizin).
Der Unterschied zwischen den Facharztrichtungen ist wie folgt: Anatomie fokussiert makroskopische Strukturen, Pathologie krankhafte Veränderungen (häufig mit klinischer Diagnostik/Obduktion). Histologie, Embryologie und Zellbiologie arbeitet vorrangig mikroskopisch und molekular, mit Schwerpunkt auf Entwicklung, Zell‑/Gewebefunktion und Forschung sowie feinste Diagnostik.













