
Die Fachrichtung Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation zählt in Österreich zu den zentralen Säulen der modernen Funktions- und Rehabilitationsmedizin, da sie körperliche Einschränkungen ganzheitlich diagnostiziert und gezielt behandelt. Sie verbindet klinische Untersuchung, apparative Funktionsdiagnostik und vielfältige physikalische Therapien, um Mobilität, Selbstständigkeit und Teilhabe nachhaltig zu verbessern. Wer sich für dieses Sonderfach entscheidet, absolviert nach dem Medizinstudium zunächst die 9-monatige Basisausbildung, gefolgt von einer 36-monatigen Grund- und einer 27-monatigen Schwerpunktausbildung. Dadurch entsteht ein breit gefächertes, interdisziplinäres Kompetenzprofil, das von Schmerztherapie über Remobilisation bis hin zu Rehabilitation, Geriatrie, Sportmedizin und Rheumatologie reicht. Gleichzeitig eröffnen sich vielfältige Karrierewege in Kliniken, Rehazentren und ambulanten Einrichtungen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil und Tätigkeiten: Diagnose, Therapie und Rehabilitation bei Funktionsstörungen des Bewegungsapparats, neurologischen Erkrankungen und komplexen rehabilitativen Fragestellungen (Physikalische Therapie, Bewegungstherapie, Schmerzmanagement, Hilfsmittelversorgung); Arbeitsansatz: Ganzheitlicher und interdisziplinärer Ansatz: enge Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie; Ziel: Aktivität, Teilhabe und langfristige Stabilisierung der Patienten
- Ausbildung (Österreich, ÄAO 2015): Mindestens 72 Monate (9 Monate Basisausbildung: 36 Monate Grundausbildung, 27 Monate Schwerpunktausbildung); Abschluss durch Facharztprüfung
- Gehalt: Einstieg meist 4.600 € bis 8.480 € brutto/Monat (Kollektivvertrag); steigt mit Erfahrung, Zulagen und Leitungsfunktionen. Spezialbereiche oder private Rehab-Kliniken bieten oft höhere Verdienste
- Tätigkeitsorte: Akutspitäler und ambulante Einrichtungen, orthopädische Zentren, Gesundheitsresorts, Reha-Zentren, geriatrische Einrichtungen, Schmerzambulanzen, sportmedizinische Häuser
Was ist Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation?
Die Facharztrichtung Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation bildet in Österreich ein eigenständiges medizinisches Sonderfach, das sich umfassend mit der Wiederherstellung und Erhaltung körperlicher Funktionen beschäftigt. Im Zentrum stehen Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, neurologische Erkrankungen sowie komplexe rehabilitative Fragestellungen, die nach Verletzungen, Operationen oder chronischen Erkrankungen auftreten können.
Fachärzte für Physikalische Medizin kombinieren medizinische Diagnostik mit einem breiten Spektrum physikalischer Therapien wie Bewegungstherapie, Elektro-, Thermo-, Hydro- oder Mechanotherapie. Gleichzeitig bewertet das Fach die funktionelle Leistungsfähigkeit und entwickelt individuelle Rehabilitationsprogramme, die eine bestmögliche Aktivität und Teilhabe ermöglichen. Der Ansatz arbeitet immer interdisziplinär, da Physikalische Medizin eng mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie verbunden ist. Damit entsteht ein ganzheitlicher Zugang, der Prävention, Therapie, Rehabilitation und Nachsorge vereint und Patienten über alle Phasen ihres Gesundheitsprozesses begleitet.
Was macht ein Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation? – Tätigkeiten und Zuständigkeitsgebiet
Ein Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation analysiert präzise, wie Erkrankungen und Verletzungen die körperliche Funktionsfähigkeit beeinflussen. Er führt klinische und apparative Diagnostik durch, nutzt Tests, Skalen, Sonographie oder elektrodiagnostische Verfahren, um Einschränkungen exakt zu bestimmen. Danach erstellt er individuelle Therapie- und Rehabilitationspläne, die Bewegungstherapie, medizinische Trainingstherapie, physikalische Anwendungen sowie ergonomische und alltagsorientierte Maßnahmen kombinieren.
Der Arbeitsalltag umfasst zudem die multimodale Schmerztherapie, die Behandlung funktioneller Störungen, die Versorgung mit Hilfsmitteln, Orthesen oder Prothesen sowie die Steuerung komplexer Rehabilitationsprozesse. Rehamediziner koordinieren interdisziplinäre Teams, planen Frührehabilitation im Akutspital und begleiten Patienten in der Remobilisation, Nachsorge oder Langzeitrehabilitation. Auch geriatrische, rheumatologische und sportmedizinische Problemstellungen gehören je nach Schwerpunkt zum Tätigkeitsfeld. Ein zentraler Bestandteil besteht darin, Aktivität und Teilhabe im Alltag zu fördern und Patienten langfristig zu stabilisieren.
Klassische Untersuchungs- und Therapieverfahren
Untersuchungsverfahren in der Physikalischen Medizin und Allgemeinen Rehabilitation
- Klinische und funktionelle Diagnostik mittels Tests, Skalen und Scores
- Manuelle Diagnostik des Stütz- und Bewegungsapparates
- Apparative Diagnostik wie Sonographie, periphere Elektrodiagnostik und evozierte Potenziale
- Funktionsbezogene Messverfahren zu Statik, Kinetik, Kinematik und Kraft
- Beurteilung des sensomotorischen Systems durch strukturierte Testverfahren
- Durchführung stufenweiser Bewegungs- und Leistungstests
- Thermodiagnostik zur Funktionsanalyse
- Beurteilung relevanter Laborparameter bei muskuloskelettalen und systemischen Erkrankungen
- Evaluierung der funktionellen Leistungsfähigkeit alltagsrelevanter Tätigkeiten
- Diagnose und Differentialdiagnose von Schmerzsyndromen
- Frührehabilitative Diagnostik im Akutspital
- Rehabilitatives Assessment inklusive Rehabilitationsbedarf, -potenzial und -prognose
- Bewertung apparativer Gefäßdiagnostik bei Bedarf
- Dokumentation und Verlaufsbewertung komplexer Krankheitsbilder in interdisziplinärer Zusammenarbeit
Typische Behandlungsverfahren
- Planung und Durchführung physikalischer Therapieverfahren (Mechanotherapie, Thermotherapie, Elektrotherapie,
- Phototherapie, Hydro- und Balneotherapie)
- Indikationsstellung und Führung komplexer bewegungstherapeutischer Konzepte
- Medizinische Trainingstherapie zur Kraft-, Ausdauer- und Sensomotorikverbesserung
- Manuelle Therapie bei Funktionsstörungen des Bewegungsapparats
- Multimodale Schmerztherapie einschließlich minimalinvasiver Infiltrationen
- Komplexe physikalische Entstauungstherapie bei Lymphödemen
- Verordnung von Gehbehelfen, Orthesen, Prothesen und weiteren Hilfsmitteln
- Therapieplanung im Rahmen von Frührehabilitation, Remobilisation und Nachsorge
- Ergotherapeutische und ergonomische Maßnahmen zur funktionellen Reintegration
- Durchführung interdisziplinärer Therapieprogramme in Rehabilitation, Geriatrie, Rheumatologie und Sportmedizin
- Patienten- und Angehörigenschulung zu Coping-Strategien, Aktivität und Selbstmanagement
- Fachliche Führung multiprofessioneller Teams und Qualitätssicherung
- Evaluation, Anpassung und Dokumentation aller rehabilitativen Prozesse
Wie wird man Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation?
Die Grundlage für den Berufsweg zum Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation bildet ein abgeschlossenes Medizinstudium, auf das verpflichtend die 9-monatige Basisausbildung folgt, also der allgemeine Turnus. Danach beginnt man mit der 36-monatigen Grundausbildung im Sonderfach, in der man Schritt für Schritt zentrale diagnostische, therapeutische und rehabilitative Fähigkeiten entwickelt. Daran schließt die 27-monatige Schwerpunktausbildung an, in der man das Wissen vertieft und Spezialisierungsthemen wie Schmerztherapie, Remobilisation, Rehabilitation, Geriatrie, Rheumatologie und Sportmedizin lernt. Am Ende steht schließlich die Facharztprüfung vor der Österreichischen Ärztekammer, die den gesamten Ausbildungsweg formal abschließt und die Berechtigung zur Ausübung des Sonderfaches verleiht.
Mehr zur Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation hier:
Alles Wichtige zu Facharztrichtungen und Facharztausbildungen in Österreich:
Für wen ist die Fachrichtung interessant?
Die Fachrichtung Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation eignet sich besonders für Ärzte, die sowohl ganzheitlich als auch interdisziplinär arbeiten möchten und gleichzeitig Freude an langfristiger Patientenbegleitung haben. Sie spricht Menschen an, die gerne körpernah untersuchen, komplexe Funktionszusammenhänge analysieren und vielfältige physikalische Therapieverfahren kombinieren. Da der Alltag stark teamorientiert verläuft, profitieren insbesondere Persönlichkeiten mit ausgeprägter Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Organisationsstärke.
Zudem erfordert die Arbeit in der Fachrichtung Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation analytisches Denken, Geduld und ein echtes Interesse an Rehabilitationsprozessen, die mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen. Wer außerdem Mobilität, Selbstständigkeit und Teilhabe aktiv fördern möchte und ebenso Akut- wie Langzeitverläufe begleitet, findet hier ein sehr geeignetes berufliches Umfeld.
Was verdient man als Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation?
Beim Berufseinstieg als Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation liegen die kollektivvertraglichen Bruttogehälter im Regelfall zwischen 4.600 und 8.480 Euro, wobei diese Werte häufig ein gesamtes Berufs- oder Funktionsbündel abdecken. Das tatsächliche Einkommen steigt zudem durch Dienste, Zulagen, Bereitschaften und individuelle Zusatzvereinbarungen. Mit wachsender Berufserfahrung, zunehmender Verantwortung und zusätzlichen Qualifikationen verbessert sich das Gehalt kontinuierlich, insbesondere in leitenden Funktionen oder spezialisierten Rehabilitationsbereichen. Da viele Arbeitgeber nach Kollektivvertrag zahlen, lohnt sich ein Blick in die aktuellen Lohn- und Gehaltstabellen von ÖGB und WKÖ, um die genaue Einstufung und mögliche Entwicklungsschritte zu erkennen. Mehr zum Arzt-Lohn:
Wo kann man als Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation arbeiten?
Fachärzte für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation finden in Österreich ein breites und vielseitiges Einsatzfeld, da ihr Know-How sowohl im Akut- als auch im Rehabilitationsbereich stark gefragt ist. Sie arbeiten einerseits in öffentlichen und privaten Krankenhäusern, wo sie frührehabilitative Prozesse begleiten, und andererseits in Rehabilitationszentren, in denen langfristige Behandlungsprogramme im Vordergrund stehen. Zusätzlich bestehen zahlreiche Möglichkeiten in ambulanten Einrichtungen, physikalischen Instituten, orthopädischen Zentren sowie in kurmedizinischen Einrichtungen und Gesundheitsresorts. Auch in geriatrischen Häusern, Schmerzambulanzen oder sportmedizinischen Einrichtungen ergeben sich attraktive Tätigkeitsfelder, da dort physikalische Therapie und funktionelle Diagnostik eng zusammenwirken.
Passende Jobs für Fachärzte für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation
Passende Stellenangebote in allen Facharztrichtungen gibt es in unserem Stellenportal. Dort findest Du zahlreiche Assistenzarzt Jobs und Facharzt Stellenangebote in Österreich.
Direkt zu den Jobs in Physikalischer Medizin und Allgemeiner Rehabilitation
Häufige Fragen zur Facharztrichtung Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation
- Was macht ein Arzt für Physikalische Medizin?
- Was fällt unter physikalische Behandlung?
- Was verdient ein Reha-Arzt?
- Welche Spezialisierungen kann ich während der Facharztausbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation angehen?
- Arbeite ich als Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation überwiegend akut oder langfristig mit Patienten?
Ein Arzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation untersucht funktionelle Einschränkungen, erstellt Rehabilitationspläne und kombiniert physikalische Therapien zur Wiederherstellung von Mobilität und Teilhabe.
Zum Sepktrum physikalischer Behandlungen zählen unter anderem Bewegungstherapie, Elektro-, Thermo-, Hydro-, Mechanotherapie sowie medizinische Trainingstherapie.
Das kollektivvertragliche Einstiegsgehalt bei Fachärzten in Österreich liegt meist zwischen 4.600 und 8.480 Euro brutto pro Monat.
In der Facharztausbildung für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation sind neben allgemeinen rehabilitativen Kompetenzen Vertiefungen möglich, z. B. Schmerzmanagement (multimodal), Geriatrie, Rheumatologie, Remobilisation, Sportmedizin oder komplexe physikalische Therapien (z. B. Hydrotherapie, Infiltrationstechniken).
Beide Aspekte gehören zum Arbeitsalltag von Physikalischen Medizinern: Frührehabilitation und Akutversorgung im Krankenhaus (nach OPs, neurologischen oder orthopädischen Notfällen), Langzeitrehabilitation in Reha-Zentren, geriatrischen Einrichtungen oder ambulanten Instituten. Förderung von Teilhabe ist ein zentraler Bestandteil.












