
Die Facharztrichtung Klinische Mikrobiologie und Virologie nimmt in Österreich eine Schlüsselrolle in der Infektionsmedizin ein. Sie vereint spezialisierte Diagnostik, klinische Beratung und präventive Maßnahmen zur Kontrolle von Infektionskrankheiten. Fachärzte dieses Sonderfachs identifizieren Erreger, bewerten Resistenzentwicklungen und unterstützen Therapieentscheidungen im Spitals- und Gesundheitswesen. Insgesamt umfasst die Facharztausbildung damit 63 Monate. Attraktive Einsatzbereiche, hohe fachliche Verantwortung und stabile Karriereperspektiven prägen dieses medizinische Spezialgebiet.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Fachprofil und Tätigkeiten: Fachärzte analysieren Infektionserreger (bakteriell, viral, mykologisch, parasitär), beraten zu Diagnostik und Therapie und leisten Beiträge zur Infektionsprävention und Epidemiologie
- Weiterbildung in Österreich: Nach dem Medizinstudium: 6 Jahre Facharztausbildung (36 Monate Grundausbildung, 27 Monate Spezialisierung)
- Gehalt: Einstiegsgehalt zwischen 4.600 und 8.480 Euro brutto/Monat (variabel je nach Arbeitgeber, Erfahrung und Zusatzaufgaben)
- Arbeitsorte: Spitäler (Zentrallabor, Klinik), Universitäten, mikrobiologische Speziallabore, Gesundheitsbehörden, Einrichtungen der Krankenhaushygiene und Forschung
Was ist Klinische Mikrobiologie und Virologie?
Die klinische Mikrobiologie und Virologie ist eine medizinische Facharztrichtung, die sich mit der Diagnostik, Beurteilung und Überwachung von Infektionskrankheiten beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen bakterielle, virale, mykologische und parasitäre Erreger sowie deren Bedeutung für den Menschen. Die Facharztrichtung verbindet Laborarbeit, klinische Beratung und gesundheitspolitische Verantwortung und bildet eine zentrale Schnittstelle zwischen Medizin, Wissenschaft und öffentlichem Gesundheitswesen.
Zwei Wege zum Facharzt für Mikrobiologie: Die klinisch-mikrobiologischen Sonderfächer
Wer sich für Mikrobiologie begeistert, kann einen von zwei Facharzt-Schwerpunkten wählen. Neben der hier beschriebenen Virologie gibt es einen weiteren Schwerpunkt in Hygiene. Mehr dazu hier:
Was macht ein Klinischer Mikrobiologe und Virologe? – Tätigkeiten und Zuständigkeitsgebiet
Fachärzte für klinische Mikrobiologie und Virologie übernehmen ein breit gefächertes Tätigkeits- und Zuständigkeitsgebiet im Gesundheitswesen. Sie befassen sich mit der medizinischen Bewertung von Infektionserkrankungen und unterstützen andere Fachrichtungen bei diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen. Ein zentraler Aufgabenbereich liegt in der fachlichen Beratung von Spitälern, Ambulanzen und niedergelassenen Ärzten, etwa bei unklaren Infektionslagen oder bei Ausbruchsgeschehen. Darüber hinaus wirken sie an Maßnahmen der Infektionsprävention und Krankenhaushygiene mit und begleiten die Entwicklung sowie Umsetzung von Hygienekonzepten.
Auch die Überwachung von Infektionstrends, Resistenzentwicklungen und meldepflichtigen Erkrankungen zählt zum Zuständigkeitsgebiet. Fachärzte dieses Sonderfachs arbeiten zudem eng mit Gesundheitsbehörden zusammen und leisten einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit. Ergänzend übernehmen sie Aufgaben in Qualitätssicherung, Labororganisation und medizinischer Dokumentation. Damit tragen sie wesentlich zur Patientensicherheit und zur Kontrolle von Infektionskrankheiten bei.
Klassische Untersuchungs- und Therapieverfahren
Untersuchungsverfahren in der klinischen Mikrobiologie und Virologie
- Mikrobiologische und virologische Diagnostik zur Identifikation bakterieller, viraler, mykologischer und parasitärer Erreger
- Beurteilung präanalytischer Prozesse wie Indikationsstellung, Probenwahl und Probenqualität
- Kultivierung, Anzucht und Differenzierung von Mikroorganismen auf geeigneten Nährmedien
- Molekularbiologische Nachweisverfahren zur Erregeridentifikation und Typisierung
- Serologische Untersuchungen zum direkten und indirekten Erregernachweis
- Resistenztestungen zur Bewertung der Empfindlichkeit gegenüber Antiinfektiva
- Befundinterpretation im klinischen Kontext und Erstellung mikrobiologischer Gutachten
- Epidemiologische Auswertung von Infektionsdaten und Resistenzentwicklungen
- Surveillance nosokomialer Infektionen und Ausbruchsabklärung
- Hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen von Umwelt- und Kontrollproben
- Qualitätskontrolle, Validierung und Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren
- Dokumentation und interdisziplinäre Abstimmung der Untersuchungsergebnisse
Typische therapeutische und beratende Maßnahmen
- Fachliche Beratung zur gezielten antiinfektiven Therapie
- Unterstützung bei empirischen und individualisierten Behandlungsstrategien
- Mitwirkung am Antibiotic- und Antimicrobial-Stewardship
- Beratung zu Impfstrategien sowie aktiver und passiver Immunisierung
- Begleitung von Maßnahmen zur Infektionsprävention und Krankenhaushygiene
- Mitarbeit bei der Therapieüberwachung und Verlaufskontrolle von Infektionskrankheiten
- Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden bei meldepflichtigen Erkrankungen
- Entwicklung und Umsetzung hygienischer Standards und Präventionskonzepte
- Schulung medizinischer Fachkräfte zu Infektionsrisiken und Hygienemaßnahmen
- Qualitätssicherung und kontinuierliche Evaluation therapeutischer Prozesse
Wie wird man Klinischer Mikrobiologe und Virologe?
Der Weg zum klinischen Mikrobiologen und Virologen beginnt mit dem abgeschlossenen Medizinstudium, das in Österreich in der Regel zwölf Semester umfasst. Anschließend folgt die ärztliche Basisausbildung, die neun Monate dauert und grundlegende klinische Kompetenzen vermittelt.
Danach beginnt die Facharztausbildung im Sonderfach Klinische Mikrobiologie und Virologie. Diese gliedert sich zunächst in eine 36 Monate dauernde Sonderfach-Grundausbildung, in der zentrale Inhalte der Mikrobiologie, Virologie, Infektiologie sowie der Krankenhaushygiene vermittelt werden. Daran schließt eine 27 Monate umfassende Schwerpunktausbildung an, die eine vertiefte Spezialisierung ermöglicht. Insgesamt beträgt die Facharztausbildung somit 72 Monate. Mehr zur Weiterbildung zum Facharzt für Klinische Mikrobiologie und Virologie hier:
Alles Wichtige zu Facharztrichtungen und Facharztausbildungen in Österreich:
Für wen ist die Fachrichtung interessant?
Die Facharztrichtung Klinische Mikrobiologie und Virologie eignet sich besonders für Mediziner, die sich für Infektionskrankheiten, mikrobiologische Zusammenhänge und wissenschaftlich fundierte Diagnostik interessieren. Sie spricht vor allem Personen an, die analytisch denken, strukturiert arbeiten und komplexe medizinische Fragestellungen systematisch beurteilen möchten. Da die Tätigkeit stark interdisziplinär geprägt ist, profitieren Ärzte, die gerne beratend tätig sind und eng mit anderen Fachrichtungen zusammenarbeiten. Gleichzeitig erfordert das Sonderfach ein hohes Verantwortungsbewusstsein, da diagnostische Entscheidungen direkten Einfluss auf Therapien und Präventionsmaßnahmen haben.
Auch Interesse an Laborarbeit, Hygiene, Epidemiologie und öffentlicher Gesundheit ist von Vorteil. Zudem richtet sich die Fachrichtung an Mediziner, die langfristige Entwicklungen wie Resistenzbildung oder Infektionsdynamiken mitgestalten möchten.
Was verdient man als Klinischer Mikrobiologe und Virologe?
Das Einstiegsgehalt für Klinische Mikrobiologen und Virologen liegt in Österreich laut Kollektivvertrag zwischen 4.600 Euro und 8.480 Euro brutto pro Monat. Diese Spanne bezieht sich auf Berufseinsteiger und basiert auf den jeweils anwendbaren Mindestgehältern der Kollektivverträge (Stand 2025). Die tatsächliche Vergütung variiert jedoch deutlich, da mehrere Faktoren das Einkommen beeinflussen. Dazu zählen unter anderem der Arbeitgeber sowie die regionale Lage.
Auch Berufserfahrung, Zusatzqualifikationen und Leitungsfunktionen wirken sich lohnsteigernd aus. Zudem erhöhen Bereitschaftsdienste, Zusatzaufgaben in Hygiene oder Qualitätsmanagement sowie Tätigkeiten mit behördlicher Verantwortung das Einkommen. Langfristig bieten Spezialisierungen und Führungspositionen weitere finanzielle Entwicklungsmöglichkeiten. Mehr zum Arzt-Lohn:
Wo kann man als Klinischer Mikrobiologe und Virologe arbeiten?
Klinische Mikrobiologen und Virologen arbeiten in Österreich vor allem in öffentlichen und privaten Spitälern, insbesondere an Zentrallaboren und universitären Kliniken. Darüber hinaus bieten medizinische Universitäten und Forschungseinrichtungen vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Diagnostik, Lehre und Wissenschaft. Auch mikrobiologische Speziallabore, Referenzlabore sowie private Labordienstleister zählen zu typischen Arbeitsorten. Zusätzlich besteht Beschäftigungspotenzial bei Gesundheitsbehörden, etwa im Bereich Infektionsschutz, Surveillance oder öffentliche Gesundheit. Ebenso kommen Tätigkeiten in Einrichtungen der Krankenhaushygiene, bei Sozialversicherungsträgern oder in der medizinischen Qualitätssicherung infrage. Durch die hohe Relevanz von Infektionsmedizin besteht zudem eine enge Zusammenarbeit mit nationalen und regionalen Gesundheitsstellen.
Passende Jobs für Fachärzte für Klinische Mikrobiologie
Passende Stellenangebote in allen Facharztrichtungen gibt es in unserem Stellenportal. Dort findest Du zahlreiche Assistenzarzt Jobs und Facharzt Stellenangebote in Österreich.
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Häufige Fragen
- Was ist Klinische Mikrobiologie und Virologie?
- Ist Virologie das gleiche wie Mikrobiologie?
- Wie lange dauert die Ausbildung zum Klinischen Mikrobiologen?
- Arbeitet ein Mikrobiologe mit Patienten?
Die Facharztrichtung Klinische Mikrobiologie und Virologie ist ein medizinisches Sonderfach, das sich mit der Diagnostik, Bewertung und Prävention von Infektionskrankheiten befasst. Der Fokus liegt auf Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten sowie deren klinischer Bedeutung.
Die Virologie ist ein Teilgebiet der Mikrobiologie und beschäftigt sich ausschließlich mit Viren. In der klinischen Praxis sind beide Bereiche eng miteinander verknüpft.
Die Facharztausbildung dauert insgesamt 63 Monate. Sie setzt sich aus 36 Monaten Grundausbildung und 27 Monaten Schwerpunktausbildung zusammen.
Bei Fachärzten für Klinische Mikrobiologie und Virologie ist der direkte Patientenkontakt begrenzt, aber vorhanden. Er erfolgt vor allem im Rahmen von Beratung, Visiten, Infektiologie und Aufklärung.












